Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V. trauert um seinen Gründer und langjährigen Vorsitzenden Uwe-Karsten Heye.
Im Jahr 2000 hat Uwe-Karsten Heye, gemeinsam mit Paul Spiegel sel. A. und Prof. Dr. Michel Friedman, mit der Gründung von Gesicht Zeigen! ein deutliches Signal gegen den in Deutschland immer lauter werdenden Antisemitismus und Rechtsextremismus gesetzt.
Uwe-Karsten Heye war ein mutiger Mensch. So etwas brauchte es in jenen Zeiten der Jahrtausendwende, als Synagogen und Wohnhäuser von Migranten brannten und als Nazis andere Menschen gewaltsam bedrohten – ein Bild, das an alte Zeiten erinnerte, die er selbst noch als Kind erlebt hatte. Aus dieser Erinnerung und dem Verständnis für Recht und Gerechtigkeit ist damals unser Verein entstanden – Gesicht zu zeigen war für Uwe-Karsten Heye nicht nur besonders wichtig, sondern vor allem: selbstverständlich. Eine Entscheidung. Ein Auftrag. Ein Lebensweg.
Uwe-Karsten Heye hat unseren Verein viele Jahre mit Leidenschaft, Klugheit und Engagement geleitet. Wir haben gemeinsam mit ihm für die Demokratie und ein weltoffenes Deutschland gekämpft, wir haben Demonstrationen und Kampagnen gegen Rechtsextremismus organisiert, wir haben unsere Stimme erhoben, wenn mal wieder etwas schief lief in der Politik. Und er immer allen voran.
Er hat durch seine politische Weitsicht Debatten angestoßen, lange bevor sie in der öffentlichen Wahrnehmung virulent waren. So hat er 2006, zur Fußball-WM in Deutschland, die notwendige Diskussion um sogenannte No-Go-Areas angestoßen und sich an die Seite von Betroffenen rechtsextremer Gewalt gestellt – in einer Zeit, in der die offizielle Politik die Problematik rassistischer Übergriffe noch lange nicht thematisieren wollte. Von vielen wurde er dafür angefeindet – er aber blieb standhaft.
Uwe-Karsten Heye hat es stets vermocht, unzählige Verbündete für sein Anliegen mit Gesicht Zeigen! zu gewinnen. Prominente Unterstützer*innen wie Iris Berben, Dunja Hayali, Sebastian Krumbiegel oder Ulrich Matthes haben die Arbeit des Vereins jahrzehntelang begleitet, auch, weil Uwe-Karsten Heye jeden mit seiner aufrichtigen Leidenschaft für die gute Sache begeistern konnte. Seinem ehrlichen Werben für eine bessere Welt konnte man nicht widerstehen.
Uwe-Karsten Heye hat Wahrheiten ausgesprochen und unserer Gesellschaft einen Spiegel vorgehalten. Er wollte nie recht haben, sondern immer aufklären, informieren und mit dazu beitragen, dass sich Geschichte in Deutschland nicht wiederholt. Eine antifaschistische Haltung und das persönliche Eintreten für eine freie und weltoffene Gesellschaft gehörten für ihn zu den wichtigen Grundlagen unseres Zusammenlebens.
Neben all seiner politischen Kenntnis, seiner Erfahrung als Journalist, Redenschreiber Willy Brandts, Regierungssprecher, Diplomat und Autor, hat er uns stets ermutigt und ermuntert, für Menschlichkeit und Würde, für Frieden und Solidarität, für Respekt und Toleranz einzustehen. Für sein unermüdliches, vielfältiges Engagement wurde er zu Recht mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Wir erinnern uns an einen warmen und herzlichen Menschen, der sich zeit seines Lebens für die gute Sache einsetzte, der Begegnungen und Diskussionen schätzte, der bis zum Lebensende neugierig und wissbegierig war.
Vor allem aber erinnern wir an einen Menschen, dem wir unendlich viel zu verdanken haben. Sein Blick auf die Welt, sein Mut, Gesicht zu zeigen und seine aufrichtige Art, haben uns Kraft gegeben und uns gelehrt, sich nicht einschüchtern zu lassen. Wir werden ihn vermissen – als unseren Gründer, als ehemaligen Vorsitzenden, als Wegbegleiter. Und als wunderbaren, guten Freund.
Gesicht Zeigen! wurde von Uwe-Karsten Heye vor 26 Jahren in die Welt geschickt. Seither hat er uns stets liebevoll, inspirierend, mit offenem Blick und großem Herzen begleitet.
Nun müssen wir unseren Weg ohne ihn weitergehen. Das wird sehr schwer werden, aber Uwe ist uns ein phantastisches Vorbild. Seine klare politische Stimme wird uns und der Öffentlichkeit fehlen. Wir werden den Kampf gegen Rechtsextremisten in seinem Sinne fortführen.