AFD will Frauen zurück an den Herd verbannen

Frauen würden unter der AfD stark benachteiligt
In der Mitte der Zeichnung ist der Kopf einer entsetzt dreinschauenden Frau zu sehen. Drum herum ein klingelndes Telefon, ein Staubwedel, ein Küchenhandschuh,ein schreiendes Baby und eine Pfanne

Zeichnung: Elena Engelbrecht

Für die AFD ist die Rolle der Frau die der Mutter, Hausfrau und Ehefrau. Ihr politisches Ziel ist es, die traditionellen Geschlechterrollen zu schützen. Nur in diesem Zusammenhang tauchen Frauen überhaupt in den Programmen der AfD auf. Dass Frauen Karriere machen und bei gleicher Arbeitsleistung das gleiche Gehalt wie Männer erzielen wollen, ist für sie „falsch verstandener Feminismus“ (AfD-Grundsatzprogramm, S.41). Wenn Frauen ihren eigenen Weg gehen, ist das für die AfD „Gender-Ideologie“ und die „Leugnung von biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau“ (Europawahl-Programm, S. 73). Geschlechtergerechte Sprache treibt AfD-Politiker*innen zur Weißglut.

Die AfD lehnt auch Geschlechterquoten im Studium oder in der Arbeitswelt generell ab, da „Quoten leistungsfeindlich und ungerecht“ seien und andere Benachteiligungen schafften (Grundsatzprogramm, S. 8). Realität ist, dass alle Länder und Unternehmen, die Quoten eingeführt haben, die Position der Frauen sowohl hinsichtlich der Gehälter als auch der Führungspositionen verbessert haben.

AfD mag Frauen – aber nur zu Hause

Die AfD will die Krippen, Vorschulerziehung und die Ganztagsschulen abbauen, weil sie aus ihrer Sicht „die Familie untergraben“ Grundsatzprogramm, S.41). In Wirklichkeit fehlen in Deutschland mehr als 400.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren und rund 100.000 Erzieher*innen. Da Mütter immer noch die Hauptlast der Erziehung tragen, erschwert dieser Mangel den Zugang von Frauen zur Arbeitswelt, beeinträchtigt ihre Karrierechancen und letztlich die deutsche Wirtschaft und das Wohlergehen der Gesellschaft. Fehlen Kitas, so haben vor allem Kinder aus armen Familien schlechtere Chancen, einen Schulabschluss zu schaffen.

AfD negiert Gewalt gegen Frauen

Die AfD spricht in ihren Wahlprogrammen nicht über Gewalt gegen Frauen. Die Realität ist, dass die Polizei jeden Tag wegen eines versuchten Mordes an einer Frau ermittelt. Alle drei Tage gibt es in der Bundesrepublik einen Femizid durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners, so das BKA. Knapp zwei Drittel der Tatverdächtigen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Dennoch drückt die Partei, die angeblich für die Sicherheit aller Bürger*innen und gegen Kriminalität ist, hier beide Augen zu.

AfD will Abtreibung einschränken

Die AfD will die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland verschärfen. Die kürzlich beschlossenen und von vielen Frauen seit Jahren geforderten Änderungen würde sie rückgängig machen. Die Partei will einen Abbruch auf rein medizinische oder „kriminologische“ Indikationen beschränken. „Kriminologisch“ bedeutet „Lehre vom Verbrechen“. So bleibt unklar, was die AfD überhaupt meint. Tatsache ist, dass Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich ein strenges Gesetz zum Schwangerschaftsabbruch hat.

 Frauen würden unter der AfD stark benachteiligt

Frauen wären besonders stark benachteiligt unter einer Regierung, in der die AfD bestimmt. Das dürfte erklären, weshalb Frauen weit unterdurchschnittlich AfD wählen: Fast zwei Drittel der AfD-Wähler sind männlich, wobei es zwischen dem Osten und Westen in der Verteilung keine Unterschiede gibt.

AfD missachtet Tausende Kinder

Für die AfD gibt es nur die traditionelle Familie mit Mutter und Vater. In Deutschland gibt nach Schätzungen aber mehr als 12.000 Regenbogenfamilien. Die Kinder dieser Familien marginalisiert die AfD, wenn sie nur Familien mit einer Mutter und einem Vater anerkennt. Paradoxerweise beschwerte die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel sich in einem Interview mit der Schweizer Weltwoche darüber, dass sie vom rechten Flügel der AfD angegriffen worden sei – weil sie mit einer Frau und zwei Kindern in einer Partnerschaft lebt. Vielleicht sollte sie mal in ihr Programm schauen?

Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass für die Entwicklung eines Kindes die Eltern-Kind-Beziehung entscheidend ist und die Frage, wie Familie gelebt wird – nicht die Familienform. Die Deutschen sind viel toleranter, als die Rechtsextremen glauben machen wollen. Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2023 stimmten 67 Prozent der Befragten in Deutschland der Aussage voll und ganz oder eher zu, dass gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Adoptionsrechte wie heterosexuelle Paare haben sollten. Nur 26 Prozent gaben hingegen an, dass sie gleichen Adoptionsrechten für gleichgeschlechtliche Paare (eher) nicht zustimmen.