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News­let­ter 34 | Archiv

Liebe Mit­glie­der, Unter­stüt­zer, liebe Freun­dIn­nen und Wegbegleiter,

die all­ge­meine Begeis­te­rung für die Fußball-Weltmeisterschaft hat vie­les, was sonst noch so pas­siert, in den Hin­ter­grund tre­ten lassen.

So for­miert sich in Ber­lin die „Pro” Bewe­gung im Hin­blick auf die Wahl zum Abge­ord­ne­ten­haus in 2011, die NPD zer­legt sich immer mehr, was aller­dings zu einer Radi­ka­li­sie­rung der sog. „Freien Kräfte” führt, der neue Ver­fas­sungs­schutz­be­richt legt alar­mie­rende Zah­len vor, alleine in und um Ber­lin gab es an den letz­ten sie­ben Wochen­en­den an jedem Sams­tag einen Neo­na­zi­auf­marsch, den es mit zivil­ge­sell­schaft­li­chem Enga­ge­ment zu bekämp­fen galt und neben­bei het­zen Neo­na­zis gegen die deut­sche Natio­nal­elf, die ihnen nicht deutsch genug ist.

Hier also der aktu­elle Stand bei uns – auf geht’s in einen wun­der­ba­ren Sommer!

Aus­stel­lung „7xjung” eröff­net

Nach fast drei Jah­ren Recher­che, Kon­zep­tion, vie­len Dis­kus­sio­nen und krea­ti­ven Pro­zes­sen, Finan­zie­rungs­schwie­rig­kei­ten und Raum­su­che haben wir Anfang Juni unser größ­tes und ambi­tio­nier­tes­tes Pro­jekt eröff­net: Die Gesicht Zei­gen! Aus­stel­lung „7xjung – Dein Trai­nings­platz für Zusam­men­halt und Respekt” ist eine künst­le­ri­sche Aus­stel­lung, die Erfah­run­gen von Aus­gren­zung, Anti­se­mi­tis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung behan­delt – und zeigt, was man dage­gen tun kann. Wir insze­nie­ren in sie­ben The­men­räu­men aktu­elle Lebens­wel­ten und schaf­fen neue und per­sön­li­che Zugänge zur Aus­ein­an­der­set­zung mit der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Der Zugang zur Geschichte liegt dabei immer in der Gegen­wart heu­ti­ger Jugend­li­cher. Wir ver­bin­den ihre Erfah­run­gen in unter­schied­li­chen Lebens­be­rei­chen mit Erleb­nis­sen von Jugend­li­chen aus der NS-Zeit.

Die The­men­räume hei­ßen „Mein Zim­mer”, „Meine Fami­lie”, „Mein Sport”, „Mein Laden”, „Meine Papiere”, „Meine Stadt” und „Meine Musik”. 7xjung rich­tet sich an Jugend­li­che ab 12 Jah­ren, vor­mit­tags bie­ten wir päd­ago­gi­sche Pro­gramme für Schul­klas­sen aller Bil­dungs– und Her­kunfts­hin­ter­gründe, nach­mit­tags ist die Aus­stel­lung für die Öffent­lich­keit geöff­net. Immer Don­ners­tag bis Sonn­tag von 14 bis 18 Uhr laden wir alle ein. Kom­men Sie zahl­reich, sagen Sie es wei­ter, schi­cken Sie Ihre Freunde hin – es lohnt sich! Gern bie­ten wir Son­der­füh­run­gen an oder sen­den Ihnen den Kata­log zu.

Schon die Eröff­nung war ein glanz­vol­les Ereig­nis, unser Schirm­herr Ger­hard Schrö­der wür­digte die Aus­stel­lung als „einen ästhe­ti­schen Geschichts­par­cour, der hier zu bewäl­ti­gen ist, und genau das wird von den jun­gen Besu­chern beson­ders Wert geschätzt”.

Laut Staats­mi­nis­te­rin Maria Böh­mer leis­tet die Aus­stel­lung „einen wert­vol­len Bei­trag für Tole­ranz und eine gelin­gende Inte­gra­tion in unse­rem Land”. Zahl­rei­che pro­mi­nente Unter­stüt­zer zeig­ten an die­sem Abend Gesicht, dabei waren Schau­spie­ler Andreas Schmidt, Sän­ge­rin Jea­nette Bie­der­mann, Desi­gne­rin Jette Joop, Fuß­bal­ler Tho­mas Hitzl­sper­ger, Schrift­stel­ler Paul Maar u.v.a.

Die Pro­gramme mit den Jugend­li­chen lau­fen sehr gut an. Wir bie­ten hier etwas völ­lig Neues – wir rich­ten uns an Jugend­li­che der Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schaft und schaf­fen für sie sinn­li­che und emo­tio­nale Zugänge zur deut­schen Geschichte. Gerade im Hin­blick auf neuen Anti­se­mi­tis­mus bei Jugend­li­chen sind wir hier bahn­bre­chend für Deutsch­land. Mehr fin­den Sie auch im Inter­net unter www.7xjung.de.

Neue pro­mi­nente Unterstützer

Für unsere Arbeit sind pro­mi­nente Unter­stüt­zer stets wich­tig. Zum einen fun­gie­ren sie gerade für Jugend­li­che als Vor­bild, zum ande­ren ver­schaf­fen sie unse­rer Arbeit mehr Auf­merk­sam­keit in der Presse.

Für „7xjung – Dein Trai­nings­platz für Zusam­men­halt und Respekt” haben wir für die ver­schie­de­nen The­men­räume pro­mi­nente Paten gesucht und gefun­den. Wir freuen uns sehr, dass wir die Schau­spie­le­rin­nen Maja Maneiro und Pegah Fery­doni als neue Unter­stüt­ze­rin­nen gewin­nen konn­ten. Beide sind aus TV-Serien bekannt, die vor allem bei der jugend­li­chen Ziel­gruppe sehr gut ankommen.

Maja Maneiro hat die Paten­schaft für „Mein Zim­mer”, Pegah Fery­doni die für „Meine Fami­lie” über­nom­men; die Schau­spie­le­rin Jose­fine Preuß, die sich schon län­ger bei Gesicht Zei­gen! enga­giert, ist Patin für „Mein Laden” gewor­den und Schrift­stel­le­rin Hatice Akyün hat die Paten­schaft für „Mein Sport” über­nom­men. Gerade sie konnte sehr gut begrün­den, warum: „Ich wurde als Kind in der Schule geschnit­ten, aber im Sport war ich gut und da woll­ten mich alle in der Mann­schaft haben. Das hat mir Kraft gegeben!”

Cem Özde­mir hat die Paten­schaft für „Meine Papiere” über­nom­men und Ben­ja­min Lebert für „Meine Stadt”. Alle Paten wer­den in die Arbeit mit Jugend­li­chen ein­ge­bun­den – wir freuen uns sehr über die­ses ehren­amt­li­che Engagement!

Schon über 800 Facebook-Nutzer neh­men an der Online-Demo teil

Seit Anfang März ist Gesicht Zei­gen! auch auf Face­book aktiv. Wir haben inzwi­schen über 3.000 „Fans”, die wir – teils mehr­fach täg­lich – mit Infor­ma­tio­nen ver­sor­gen. So wei­sen wir auf Ver­an­stal­tun­gen hin, rufen zur Teil­nahme an Demons­tra­tio­nen oder Online-Petitionen auf, kom­men­tie­ren aktu­elle Gescheh­nisse und dis­ku­tie­ren mit der „Facebook-Community”.

Ganz neu und ein­zig­ar­tig: Wir haben eine Online-Demo gestar­tet, auf der jeder sein Gesicht zei­gen kann gegen Ras­sis­mus, Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung. Hier sind inzwi­schen über 800 Face­book Mit­glie­der dabei. Wir sind uns bewusst, dass Face­book ein hei­ßes Thema ist, gerade den Daten­schutz betref­fend. Intern haben wir lange dis­ku­tiert, ob Gesicht Zei­gen! auch mit­ma­chen soll – und haben uns dafür ent­schie­den. Auch viele andere Orga­ni­sa­tio­nen sind ganz selbst­ver­ständ­lich dabei, so das Anne Frank Zen­trum, die Aktion Zivil­cou­rage aber auch andere große NGOs wie Green­peace oder Amnesty Inter­na­tio­nal. Wir haben fest­ge­stellt, dass wir auf die­sem Wege ganz andere Ziel­grup­pen errei­chen, die sehr dis­kus­si­ons­freu­dig sind. Die Mel­dung, dass das Haus­ver­bot eines Kur­ho­tels in Bad Saa­row gegen den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt rech­tens ist, wurde drei Tage lang dis­ku­tiert. Ein neues Thema für uns ist auch die zuneh­mende Gewalt­be­reit­schaft, die gerade auch über das Inter­net große Ver­brei­tung erfährt. Wir wol­len auch hier ver­stärkt Gesicht Zei­gen! Dazu star­ten wir diese Woche eine virale Kam­pa­gne per Video! Unter­stützt wer­den wir dabei übri­gens kos­ten­frei und enga­giert von pla­toon cul­tu­ral deve­lop­ment. Mehr unter www.facebook.com/gesichtzeigen.

Gesicht Zei­gen! intern

Im April hat der gute Geist der Geschäfts­stelle, Jana Niko­lai, uns ver­las­sen und im Mai San­dra Lie­ben­der. Ursprüng­lich war San­dra nur für drei Monate gekom­men, blieb aber fast ein Jahr.

Ende August wird uns unsere Frei­wil­lige Lisa Leh­mann ver­las­sen. Sie hat dann ein Jahr bei uns ver­bracht – und zwar kor­rekt for­mu­liert ihr „frei­wil­li­ges sozia­les Jahr in der Kul­tur”. Liebe Lisa, San­dra, Jana – vie­len, vie­len Dank! Ihr wart toll, wir wün­schen Euch alles Gute und lasst es kra­chen! Zurück ist nach län­ge­rer Baby­pause end­lich wie­der Vale­rie Thies­meyer – wir freuen uns sehr! Wel­come back! Neu im Team ist Scott-Hendryk Dil­lan, unser Experte für die Online­kom­mu­ni­ka­tion, und Sören Schnei­der unter­stützt das Fit gegen rechts-Team in der Schluss­phase der Mate­ria­ler­stel­lung.

Stö­rungs­mel­der wie­der auf Tour

Wir freuen uns beson­ders, dass sich unsere Stö­rungs­mel­der wie­der auf den Weg in die Schu­len machen kön­nen. Auch unter Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wird das Pro­jekt wei­ter­hin vom Jus­tiz­mi­nis­te­rium geför­dert. Der erste Besuch führte unser Team mit Ole Till­mann nach Zeh­de­nick. Dort ging es in einer hef­ti­gen und kon­tro­ver­sen Debatte um Gewalt und Zivilcourage.

Für die neue Pro­jekt­lauf­zeit konn­ten wir neue Stö­rungs­mel­der gewin­nen: Erst­mals wer­den der Kaba­ret­tist und Schrift­stel­ler Fatih Çevik­kollu und der Rap­per Tibor Storm dabei sein mit neuen The­men: Fatih Çevik­kollu ist mit dem Pro­gramm „Fatih­land” und dem Buch „Der Moslem-TÜV” bekannt gewor­den. Dabei geht er sehr iro­nisch und humor­voll mit dem Ver­hält­nis Tür­ken – Deut­sche um. Beim Kaba­rett­abend Kor­rek­tur Lesen in Düs­sel­dorf in April die­sen Jah­res war er auch dabei – und hat uns dort gleich seine Zusage für den Stö­rungs­mel­der gegeben!

Der Rap­per Tibor Storm wurde 2005 von sechs Neo­na­zis in der Nähe von Erlan­gen ver­folgt und geschla­gen. Er wehrte sich erfolg­reich und wurde, weil er nach Ansicht der Rich­ter die Gren­zen der zuläs­si­gen Selbst­ver­tei­di­gung über­schritt, zu einer sie­ben­mo­na­ti­gen Haft­strafe ver­ur­teilt. Sie sehen, wir haben viel Stoff für anre­gende Diskussionen!

Zunächst wer­den Tho­mas Hitzl­sper­ger und Klaas Heufer-Umlauf ihre Schul­be­su­che machen.

Die Doku­men­ta­tion der bis­he­ri­gen Besu­che, „Stö­rungs­mel­der on tour / 2007 — 2010″, ist übri­gens kos­ten­frei bei uns erhält­lich – und Ter­mine sind auch noch frei. Bis Ende 2010 kön­nen wir die Schul­be­su­che mit den pro­mi­nen­ten Stö­rungs­mel­dern zu ver­schie­de­nen The­men anbieten!

Wei­tere Infor­ma­tio­nen unter www.gesichtzeigen.de. Möch­ten Sie den News­let­ter per Mail erhal­ten, mai­len Sie an kontakt@gesichtzeigen.de.

PS: Wir sind tief betrof­fen – in der Nacht zum 30. Juni wur­den bei einem Ein­bruch in unsere Aus­stel­lung elf Rech­ner und die Bar­kasse gestoh­len. Das Fens­ter ist mitt­ler­weile ver­git­tert, der Betrieb läuft weiter.

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