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Newsletter 32 | Archiv
Liebe Mitglieder, Freunde und Weggenossinnen, Unterstützer und Partnerinnen!
Die Bundestagswahl ist vorbei und wir sehen der schwarz-gelben Koalition mit ein wenig Skepsis entgegen. Hocherfreut hingegen sind wir über den Wahlausgang in Brandenburg: bei der Landtagswahl hat die DVU den Einzug ins Parlament verpasst. Das zeigt doch deutlich, dass die konsequente Arbeit gegen Rechtsextremismus wirkungsvoll ist – wenn sie langfristig und nachhaltig erfolgt. Kein Bundesland setzt so konsequent wie Brandenburg auf Prävention und Aufklärung – wir gratulieren unseren Partnerinnen und Partnern vom Toleranten Brandenburg herzlich zu diesem Erfolg!
Presseerklärung zu den Koalitionsvereinbarungen
In den Koalitionsvereinbarungen wurde die Bekämpfung von Extremismus allgemein vereinbart –Rechts– wie Linksextremismus sollen gleichermaßen bekämpft werden, ebenso Islamismus. Zu diesen Plänen der neuen Bundesregierung, die faktisch eine Kürzung der Mittel gegen Rechtsextremismus bedeuten, hat Gesicht Zeigen! einen offenen Brief an die zuständigen Minister verfasst. In vollem Wortlaut finden Sie die Erklärung auf unserer Internet-Seite, hier ein Auszug:
(…) Diese Pläne der neuen Bundesregierung sind ein verheerendes Signal und gehen an der Realität vorbei. Seit 1993 sind über 140 Menschen durch rechte Gewalt ums Leben gekommen. Uns sind keine Todesopfer durch linksextreme Gewalttäter bekannt. Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus bedrohen unsere Gesellschaft und unsere Demokratie. Jährlich werden über 1.000 Menschen Opfer rechter Schläger. Obdachlose, Punks, Homosexuelle und Schwarze – kurz: jeder, der den Schlägern nicht ins Weltbild passt, kann zum Opfer werden. (…)
Bei der Bundestagswahl blieb die NPD im Schnitt unter 2 %. Aber das ist noch kein Grund zur Freude: Sie erhält mit einem Ergebnis von bundesweit 635.437 Stimmen bei der Bundestagswahl und den Stimmengewinnen aus den Landtagswahlen 2009 nach den Berechnungen der Tageszeitung „Die Welt“ vom 28.9.2009 mehr als eine Million Euro aus Steuergeldern, weil jede Stimme mit 0,85 Cent vergütet wird. Sie kann also weiter Schulhof-CDs herstellen und verteilen, den Kauf von Schulungszentren vorantreiben und Basisarbeit vor Ort machen, sie kann Fußballturniere unterstützen, Kinderfeste veranstalten und Hausaufgabenbetreuung anbieten – und dabei ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten. (…)
Wir fordern die neue Bundesregierung auf:
Der Kampf gegen Neonazis — ob in Anzügen oder Springerstiefeln — braucht einen langen Atem. Daher fordern wir die konsequente Weiterführung der Programme. (…)
Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass auch sie das Problem des Rechtsextremismus in Deutschland ernst nimmt. Wir erwarten, dass sie die Akteure der Zivilgesellschaft, die Profis in den NGOs und vor allem: die Opfer der rechten Schläger nicht allein lässt, sondern dass sie sinnvolle und strategische Ideen umsetzt, dauerhaft sichert und finanziert.
Achtung: Mobilmachung von rechts – wir demonstrieren dagegen!!
Auf den Straßen mobilisiert die extreme Rechte in letzter Zeit wieder verstärkt und leider mit großem Erfolg. Nach einem Brandanschlag mit drei Verletzten auf die rechte Szenekneipe „ Zum Henker“, für den die Neonazis “Linksextremisten” als Täter beschuldigten, kam es am 10. Oktober zu einem Solidaritätsmarsch der rechten Szene in Berlin. Obwohl die Täter mit der linken Szene nichts zu tun hatten, marschierten rund 700 Neonazis durch Berlin. Die Neonazis inszenieren sich gern als Opfer der Linken, der Polizei oder der „Systempresse“ und dieser „Überfall“ kam ihnen da gerade recht. Mehrere Gruppierungen riefen zu einer Gegenkundgebung auf, die Leiterin des Mobilen Beratungsteams gegen rechts (Mitveranstalter der Gegenkundgebung); Bianca Klose, wird seitdem massiv persönlich und namentlich sowohl am Telefon als auch im Internet bedroht.
In Leipzig zogen am 17. Oktober ca. 1.200 Neonazis durch die Stadt – der Marsch musste abgebrochen werden, weil 2.000 Gegendemonstranten die Straßen besetzten.
Für den 7. November ist in Halle ein Naziaufmarsch geplant, veranstaltet von den Jungen Nationalen unter dem Motto „wir sind ein Volk“.
Für den 14. November, dem Vortag des Volkstrauertages, mobilisiert die rechte Szene nach Halbe. Es ist ein Aufmarsch am dortigen Soldatenfriedhof geplant. Nachdem die Aufmärsche in den letzten beiden Jahren verhindert werden konnten, wollen die Rechtsextremen Halbe nun „zurückerobern“. Natürlich gibt es auch in diesem Jahr eine Gegenkundgebung, mit Ständen, einer Bühne und vielen anderen Aktivitäten — auch Gesicht Zeigen! wird vor Ort sein.
Schon jetzt plant die Stadt Dresden für den 13. Februar 2010 vielfältige Aktionen. An diesem Datum jährt sich zum 65. Mal die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten. Mit einer Menschenkette will Dresden ein Zeichen gegen Rechtsextreme setzen, die den 13.Februar alljährlich zum Anlass für einen sogenannten Trauermarsch nehmen.
Kommen Sie zu den Gegendemos, mobilisieren Sie, zeigen auch Sie Gesicht – es wird gebraucht! Mehr Infos zeitnah unter www.gesichtzeigen.de
Anti — Rechtsextremismus-Kurs für die Landjugend
Am 8.Oktober hatten wir sehr interessierten und interessanten Besuch: in unseren Geschäftsräumen waren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) zu Gast. Der BDL vertritt die Interessen junger Menschen in ländlichen Räumen in Deutschland und hatte für die hauptamtlichen Multiplikatoren eine Weiterbildung zum Thema Rechtsextremismus bei uns gebucht. Die TeamerInnen von Gesicht Zeigen! führten einen 5-stündigen Workshop zum Thema: „Rechte Ideologie – Was steckt hinter rechten Texten und Parolen?“ durch.
Zeitzeugin Marion House in Berlin
Im letzten Sommer haben wir für unser Ausstellungsprojekt mit ihr zusammen zwei Kurzfilme unter der Regie von Robert Thalheim („Am Ende kommen Touristen“) gedreht. Filme über zwei kleine, aber wichtige Episoden aus ihrer Zeit als Jugendliche in Berlin, bevor sie als Jüdin vor den Nazis fliehen musste. Nun war Marion House wieder in ihrer alten Heimatstadt und feierte das 100jährige Jubiläum ihrer Schule mit. Zu diesem Anlass wurden die beiden Kurzfilme erstmals einem großen und sehr interessierten Publikum gezeigt. Die anschließende Diskussion war geprägt von einem feinfühligen Interesse am Ehrengast Marion House und natürlich auch an der filmischen Umsetzung durch Robert Thalheim, der die Episoden von damals ja nicht nur mit Marion House, sondern auch mit sehr engagierten – und begabten! — SchülerInnen der Rückert-Schule nachgedreht hat. Filmvorführung und Gespräch waren von ergreifender Intensität und bildeten einen sehr gelungenen Programmteil innerhalb der 100-Jahr-Feierlichkeiten der Schule. Wir haben uns sehr gefreut, daran Teil haben zu können!
Aus den Projekten:
Fieberhaft wird derzeit in den S-Bahn-Bögen gebaut, gestrichen und gewerkelt für unsere Ausstellung, deren Titel jetzt feststeht: 7 x jung – Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt. Sie wird am 1. März 2010 für Jugendgruppen eröffnet.
Der Störungsmelder geht weiter on tour: 4 Termine sind noch bis Ende des Jahres geplant.
Das erste Materialpaket von Fit gegen rechts ist in Arbeit: UND ACTION – in sieben Schritten zum eigenen Film wird sowohl als CD als auch als Internet-Portal noch in 2009 veröffentlicht.
Das Gesellschaftsspiel hat inzwischen mit 8 Schulen in Brandenburg Kooperationsvereinbarungen getroffen und schon zahlreiche Projekttage durchgeführt.
Unser Theaterstück „Drei Adleraugen und der Mann aus Demokratien“ kann in 2009 noch einmal gespielt werden: am 5. November in Grimmen vor ca. 370 Schülerinnen und Schülern.
Gesicht Zeigen! in Ravensbrück
Vom 19. Oktober bis 25. Oktober lud die Jugendherberge Ravensbrück, in Zusammenarbeit mit der D! Dance School von Detlef D! Soest zu einem einwöchigen Hip-Hop–Workshop ein. Mit dabei war auch ein Expertinnen-Team von Gesicht Zeigen!.
Im Rahmen eines Einführungsworkshops am Montag, den 19. Oktober, gaben die Mitarbeiterinnen von Gesicht Zeigen! allen TeilnehmerInnen von „Dance against violence“ den theoretischen Input für die folgenden praktisch konzipierten Tanzworkshop-Tage. Der Gesicht Zeigen! — Workshop vermittelte Hintergrundinformationen zum Thema Gewalt, Entstehung von Gewalt und Konfliktvermeidung. Die Teilnehmer im Alter von 11–20 Jahren überlegten sich auf Grund der Informationen eine Story, die sie im Hip Hop Tanz ausdrückten und am Ende der Woche in einer großen Abschlussveranstaltung in Oranienburg vor Publikum präsentierten.
Gesicht Zeigen! intern
Das Team des Ausstellungsprojekts wird immer größer. Dominique Hurth, Mirjam Dumont und Ralf Swinley bringen seit September ihre Expertise in Gestaltung, Bau und Organisation ein.
Und erstmals werden wir von zwei Freiwilligen unterstützt, die bei Gesicht Zeigen! ihr freiwilliges soziales Jahr in der Kultur absolvieren: seit Anfang September unterstütz Lisa Lehmann das Team vom Gesellschaftsspiel, und seit 01. November ist Tina Glantz beim Ausstellungsprojekt dabei. Allen Neuen Herzlich willkommen im Team!
Ausstellung in Berlin: Fremde? Bilder von den „Anderen“ in Deutschland und Frankreich seit 1871
Vom 16. Oktober 2009 bis zum 31. Januar 2010 beschäftigt sich im Deutschen Historischen Museum Berlin diese Ausstellung mit der Migrationsgeschichte Deutschland und Frankreich.
Im Begleitheft wird auch Gesicht Zeigen! vorgestellt und Uwe-Karsten Heye interviewt.
Die Ausstellung läuft bis zum 31. Januar 2010 im Deutschen Historischen Museum Berlin, Unter den Linden 2 in Berlin-Mitte.
Für Schulklassen sind Führungen buchbar, sie werden übrigens vom früheren Gesicht Zeigen! Mitarbeiter Marcel Knuth durchgeführt.
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