Die Störungsmelder
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Seit Sommer 2008 sind unsere drei Störungsmelder Markus Kavka, Klaas Heufer-Umlauf und Ole Tillmann bundesweit an Schulen zu Gast.
Markus Kavka
„Ich hätte mir damals ein schnelleres Auto gewünscht. Ein Renault R5, Baujahr 81, mit 35 PS war nicht die richtige Karre, um sich mit den Faschos heiße Verfolgungsjagden durch Schwabach zu liefern. Wir sind da fast jedes Wochenende von Ingolstadt aus hingefahren, weil es dort eine legendäre Gruftie-Disco gab. In die durften die Nazi-Skins nicht rein, deswegen warteten sie davor, bis wir rauskamen. Durch den Hinterausgang gelangte man direkt in die Tiefgarage. Nachdem sich das Rolltor nach der Ausfahrt hinter einem schloss, wurde es spannend. Sie waren nicht jedes Mal da, wenn sie allerdings da waren, hieß es: Vollgas Richtung Autobahn. Sie erwischten uns kein einziges Mal, nur einmal schafften sie es an einer roten Ampel, mit ihren Stahlkappen-Doc-Martens ein paar Beulen ins Auto zu treten.
Da war ich gerade 18 und geriet das erste Mal mit Faschos aneinander. Und weil ich irgendwie immer so aussah, wie es ihnen nicht gefiel, sollte der Ärger auch nie so richtig abreißen. Vor etwa zehn Jahren bekam ich mal Morddrohungen aus der rechten Szene, weil ich „linke Zecke” es gewagt hatte, im Fernsehen ein Fred Perry-Poloshirt zu tragen.
Je mehr sie mich bedrohten, desto stärker reifte der Wunsch, etwas gegen sie zu machen. Weglaufen galt nicht mehr, ich wurde aktiv bei der Antifa und sah spätestens dort, welche Ausmaße die rechte Katastrophe hatte. Wahlerfolge rechter Parteien, „national befreite Zonen”, Übergriffe auf Menschen mit anderer Hautfarbe sowie die Bestrebungen der NPD, die bürgerliche Mitte zu unterwandern, indem zunehmend soziale Themen besetzt werden, sind nur einige von viel zu vielen Gründen, warum aktiv etwas getan werden muss.
Ich will/wir wollen dabei ganz bewusst bei den Jüngeren ansetzen. Mit ihnen reden, bevor es die Rechten tun. Ihnen Respekt entgegen bringen und für sie nachhaltig da sein.
Wäre schön, wenn ihr mit uns seid.”
Klaas Heufer-Umlauf
„Ich komme aus Oldenburg, dort war für mich mal ein ganzer Stadtteil tabu. Ausländer gibt es dort kaum und Leute mit linken Ansichten bekommen schnell zu spüren, dass sie in der Minderheit sind. Ich wohnte nicht weit von dort. Da ich als weißer Deutscher durchs Hetzraster fiel, begriff ich erst recht spät, welche Weltanschauung einem da unter die Nase gehalten wurde.
Einige Jungs aber, die ich schon aus Grundschultagen kannte, hatten das Pech, dort zu wohnen. Das Pech, auf den Partys der Älteren ihr erstes Bier trinken zu müssen und auf der Suche nach Vorbildern in ihrem engeren Umfeld immer wieder auf dieselbe menschenfeindliche Ideologie zu stoßen. Egal, ob einer früher besonders nett, leise, laut, schüchtern oder clever war — man konnte zusehen, wie sie nicht nur älter, sondern auch rechter wurden.
Meine Freunde und Klassenkameraden waren glücklicherweise weit von dieser Szene entfernt. Dementsprechend ungefährdet war ich mit dreizehn, einem Alter, in dem man sich viel Scheiß erzählen lässt. Wäre ich je auf rechte Gedanken gekommen, meine Eltern hätten mir ruhig und plausibel klar gemacht, was ich da von mir gebe.
Bei vielen heute felsenfest überzeugten Rechtsradikalen wäre es vielleicht nicht so weit gekommen, wenn ihnen mal jemand im richtigen Moment, in einem vernünftigen Ton die Meinung gesagt hätte. Da aber nun leider nicht jeder dieses Glück hat, ist dieses Blog für mich umso wichtiger.
Ich habe mittlerweile einige Übergriffe von Rechtsradikalen auf Ausländer miterlebt. Einmal habe ich erlebt, wie 20 Nazis mit leeren Bierkrügen auf einen einzelnen Mann einschlugen. Ich hoffe, dass wir hier rechte Methoden transparenter machen, für einen toleranteren und respektvolleren Umgang zu werben und allen, die sonst niemanden kennen, ein Forum zu sein.”
Ole Tillmann
„Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal Opfer eines Naziüberfalls werden würde. Bis es eben passierte. Als ich im September 2006 in Berlin mit meinem Kumpel Matthias aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung von Skinheads überfallen wurde, dachte ich ungläubig: Wow, Skinheads. Ich fasse es nicht. Jetzt attackieren die einen schon vor der Haustür. Mitten in Berlin. Wir waren schockiert. Und motiviert. Dagegen mussten wir etwas unternehmen.
Für mich war Rechtsradikalismus bis dahin ein weit entferntes und leicht zu ignorierendes Problem der ostdeutschen Provinz, das noch in ein paar Zeitungsartikeln Erwähnung findet, bevor es sich irgendwann von selbst erledigt. Tut es aber leider nicht. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Neonazis organisieren sich immer besser und schleichen sich in manchen Gegenden Deutschlands in die gesellschaftliche Mitte. Sie restaurieren Jugendzentren, organisieren Feriencamps für Jugendliche, säubern Parks und erledigen so manch andere Aufgabe, die der Staat nicht mehr zu bewältigen vermag. Damit finden sie Anerkennung in der Bevölkerung vor Ort. Was soll man auch dagegen sagen, wenn sich jemand sozial engagiert und die Kinder beschäftigt, mitunter erzieht?
Genau hier liegt die Gefahr. Rechte sind nicht mehr zwangsläufig durch ihre Kleidung und ihr Aussehen zu erkennen. Mittlerweile gibt es Handy-Klingeltöne von Nazisongs im Internet, das Logo gibt’s noch gratis obendrauf. Rechts wird unauffällig, Rechts wird Pop. Und bleibt brutal. Es darf niemals cool sein, gegen Ausländer und anders Denkende zu sein. Es darf nicht cool sein, gegen Demokratie zu sein.
Wir alle dürfen nicht einfach nichts tun, und hoffen, dass der braune Spuk bald aufhört.
Wir müssen uns aktiv gegen Rechts abgrenzen, wir müssen im ersten Schritt darüber diskutieren, Informationen austauschen und jede Störung melden!”
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