03.03.2009 „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Fußball” mit Thomas Hitzlsperger
03.03.2009 – Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Fußball
Die SchülerInnen der Geschwister-Scholl-Realschule Süßen (Landkreis Göppingen) sind gekommen, weil sie sich mit Thomas Hitzlsperger verabredet haben. Gemeinsam wollen sie reden: über Nazis; insbesondere über „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Fußball“. Gleich zur Begrüßung erklärt Thomas Hitzlsperger den Schülern, dass ihm die Auseinandersetzung mit diesem Thema wichtig ist und er sich dabei auch seiner verantwortungsvollen Vorbildfunktion als Fußballprofi bewusst sei:
„Speziell im Fußball, aber auch in unserer demokratischen Gesellschaft generell – wir dürfen Nazis nicht unser Spielfeld überlassen. Dafür setze ich mich ein.„
Ein klarer Standpunkt. Ein starkes Bekenntnis.
In der knapp zweistündigen Veranstaltung schildern die Neunt– und Zehntklässler ihre Erfahrungen mit Nazis und Alltagsrassismus. Fast alle können und möchten etwas zum Thema sagen. Einige SchülerInnen sahen sich aufgrund ihres eigenen Migrationshintergrundes oder dem des Freundes rassistischen Schmähungen ausgesetzt. Ein paar Jungs berichten von rassistischen Sprechchören in Fußballstadien, eine Schülerin über die Furcht vor Anfeindungen rechter Jugendlicher im Zuge ihrer Funktion als Schiedsrichterin. Thomas Hitzlsperger kennt diese negativen Vorfälle zur Genüge. Er hat sie schon selbst erlebt.
Was man dagegen tun könne, fragt ein Schüler. „Schwer zu sagen”, erwidert der Nationalspieler. „Der Verein, die Einsatzkräfte oder der Stadionsprecher haben hier nur beschränkte Eingriffsmöglichkeiten.” Seiner Meinung nach hätte gesellschaftliches Handeln seitens der Fans die beste Aussicht auf Erfolg. „Ein konsequentes und unmissverständliches NEIN! der Fans entzieht den Nazis ihren Entfaltungsraum und stellt sie ins Abseits.” Vielerorts geschehe so etwas bereits – leider noch nicht überall. Thomas Hitzlsperger kennt die Probleme, vor allem in den unteren Spielklassen und in den kleinen „Dorfvereinen”. Doch gerade weil hier die finanziellen Mittel und die öffentliche Wahrnehmung deutlich geringer als im Profifußball ausfallen, müsse das gesellschaftliche Engagement unter und in den Vereinen gefördert werden. Sonst bestehe hier die Gefahr, von rechten Gruppierungen unterwandert und vereinnahmt zu werden. „Wenn dann ein Mäzen mit NPD-Parteibuch ein Trikotsponsoring für den gesamten Jugendbereich anbietet, stellt sich für den Verein schnell die Gretchenfrage. Hier ist gemeinschaftliches Handeln gefragt, auch außerhalb des Vereins.”
Zum Abschluss empfiehlt Thomas Hitzlsperger den Schülern, einen längeren Auslandsaufenthalt zu wagen, was der eigenen Persönlichkeitsentwicklung dient und die Abwehrkräfte gegen rechtes Gedankengut stärkt. Der jungen Schiedsrichterin zugewandt richtet sich Thomas Hitzlsperger an alle Schüler: „Lasst Euch von denen nicht einschüchtern, sondern zeigt ihnen gemeinsam die Rote Karte!”
Im Weblog „Störungsmelder” hat Thomas Hitzlsperger einen Beitrag über sein Treffen verfasst.







