Räume & Themen
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Die Ausstellung 7 x jung — Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt stellt in verschiedenen Rauminstallationen dar, wie junge Menschen in der NS-Zeit lebten. Die Räume zeigen Erinnerungssplitter von Lebensgeschichten, erzählen von Ausgrenzung, Unterdrückung und Hass, aber auch von Freundschaft, Unterstützung, Aufbegehren und Solidarität.
Die gezeigten Gegenstände sind keine verstaubten Ausstellungsstücke, sondern lebendige Requisiten. Mit Fotos, Filmen, Klangcollagen, Texten und Installationen führt die Ausstellung die Besucher in die Vergangenheit. Einerseits.
Andererseits aber wecken die vielfach sehr gegenwärtig gestalteten Räume auch persönliche Assoziationen. So können die Besucher Bezüge von ihrer eigenen Gegenwart in die Geschichte herstellen. Sie erkennen, dass sich die Lebensbereiche von damals oft gar nicht so sehr von ihren eigenen unterscheiden. Und sie erleben, welche Ausdrucksformen es gab und gibt, um mutig und selbstbewusst leben zu können, um Zivilcourage zu zeigen.
Wie der (Unter-)Titel Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt schon vermuten lässt wird die Ausstellung durch ein pädagogisches Begleitprogramm ergänzt, das für verschiedene Altersstufen und Schultypen entwickelt wurde. Die szenischen Räume laden zum Spielen und zur aktiven Mitgestaltung durch die jugendlichen Besucher ein. In kulturpädagogischen Workshops können sich Jugendlichen in die dargestellten Situationen hineinversetzen und Geschichte unmittelbar verstehen.
So hilft 7 x jung — Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respkt den jugendlichen Besuchern, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass ein gleichberechtigtes und tolerantes Miteinander keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine große historische Errungenschaft, die es im Kleinen ständig neu zu schaffen gilt.
Hier eine Auswahl der Erfahrungsräume und Themen:
Mein Zimmer
Mein Zimmer war mein Rückzugsort. Hier galten meine Regeln. Ich entschied, welche Poster an den Wänden hingen. Wann ich aufräumen wollte und wann nicht. Wann meine Tür offen stand und wann ich allein sein wollte. Meine Eltern respektierten das, meine Geschwister meistens.
Was ich fühlte, als ich eines Tages nach Hause kam und mein Zimmer offenbar durchsucht worden war – von Eindringlingen, die Poster halb abgerissen, die Schubladen durchwühlt? Mir wurde schlecht. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich selbst auf der Straße überfallen worden. Hatte jemand mein Tagebuch gelesen? In meiner Wäsche gewühlt? Nie wieder werde ich mich in diesem Zimmer so geborgen fühlen können wie vorher.
Kinder und Jugendliche brauchen einen sicheren Rückzugsraum, den sie nach eigenen Vorstellungen gestalten und in dem sie sich entfalten können. Wenn dieser Raum verletzt wird – wie etwa durch Einbrecher oder ein Kommando der Polizei wird auch das Selbstwert– und Sicherheitsgefühl seines Bewohners verletzt.
In unserer Demokratie ist die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ sogar im Grundgesetz geregelt. Es schützt den Bürger vor Eingriffen des Staates. Somit hat jeder Mensch das Recht, sich in seiner Privatsphäre frei zu entfalten.
Meine Musik
Meine Musik bedeutet mir alles. Sie lässt mich tanzen, weinen, fröhlich sein. Wenn es Ärger gibt, muss ich nur meine Stereoanlage aufdrehen, die Bässe zertrümmern alle Probleme, die Melodie macht meinen Kopf ganz leicht.
Und jetzt heißt es auf einmal: Schluss damit! Mach sofort diesen Krach aus – oder es setzt was! Wie kann meine Musik jemanden stören, wenn ich mich doch so frei durch sie fühle? Das verstehe ich nicht.
Zu laut, zu unanständig, zu radikal – Vorwürfe, die sich Jugendliche für ihre Musik oft gefallen lassen müssen. Dabei ist sie eines der wichtigsten Mittel, damit Jugendliche sich selbst und damit ihren Platz in der Welt finden können. Ob Hip-Hop, Rap, Elektro: Der gleiche Musikgeschmack verbindet, man achtet denjenigen, der das gleiche Band-Shirt trägt – ungeachtet seiner Herkunft.
Im Nationalsozialismus gab es eine Gruppe, die sich durch ihren Musikgeschmack abhob: Die „Swings“ waren größtenteils Jugendliche aus dem Bürgertum, die sich durch ihre Vorliebe zu amerikanischer Swingmusik von der Gleichschaltung der Hitlerjugend abgrenzten – zunächst aus Leidenschaft und ohne politische Ambition. Zunehmend mussten sie aber auch politisch Stellung beziehen, weil sie allein durch ihre Leidenschaft zu der „undeutschen, entarteten“ Musik als Widerständler betrachtet und verfolgt wurden.
Dennoch ließen sie sich ihren Willen nicht verbieten und behaupteten ihr Recht darauf, ihre eigene musikalische Ausdrucksform zu pflegen.
Mein Sport
Wir seien ein Team, hieß es immer. Wir müssten deinen Mitspielern vertrauen, mit ihnen kooperieren, ihre Fähigkeiten nutzen. Erst dann könnten wir als Mannschaft gewinnen. Ich wusste genau, wem ich den Ball passen musste und wann ich das Tor selber machen konnte. Wir waren ein eingespieltes Team. Das hatte der Trainer uns beigebracht.
Eines Tages war mein Anspielpartner nicht mehr da. Es hieß, er habe plötzlich abreisen müssen, er habe hier nicht mehr sicher leben können. Von diesem Tag an machte mir das Training keinen Spaß mehr.
Sport motiviert, spornt an, verbindet. Auf dem Feld spielt es keine Rolle, ob der Mitspieler aus einem anderen Land kommt, eine andere Sprache spricht oder in eine andere Kirche geht. Wichtig ist, dass er den Ball ins Tor bringt, den Staffelstab übergibt, zum Mannschaftserfolg beiträgt. Auf dem Sportplatz werden Grenzen spielerisch überwunden, keiner stellt den Torschützen in Frage, nachdem er den Siegtreffer erzielt hat. Niemand wird ihn am nächsten Tag auf dem Schulhof schneiden oder beschimpfen.
Im Nationalsozialismus mussten jüdische Jugendliche erleben, was Ausgrenzung bedeutet. Von einem Tag auf den anderen durften sie nicht mehr in ihre Sportvereine gehen, nicht mehr mit ihren Freunden trainieren oder öffentliche Sporteinrichtungen nutzen.
Allen Strafandrohungen zum Trotz gab es allerdings auch weiterhin Sportler und Trainer, die sich diesen Auflagen widersetzten und die jüdischen Mannschaftskameraden heimlich weitertrainieren ließen.
Mein Ausweis
Als ich aus der Schule kam, musste ich mit meiner Mutter zum örtlichen Polizeirevier gehen. Ich hatte keine Ahnung, warum sie darauf bestand – schließlich hatte ich nichts falsch gemacht. Bevor wir das Amt betraten, ermahnte sie mich, höflich und ehrlich zu sein. Das kam mir sonderbar vor. Warum sollte ich lügen?
Ein Polizist nahm unsere Personalien auf. Dann stempelte er einen einzelnen Buchstaben auf das Formular. „Was bedeutet das?“, fragte ich meine Mutter. „Sei still!“, sagte sie hastig und lächelte den Polizisten entschuldigend an. Der nahm grob meine Hand, drückte meinen Zeigefinger auf ein Stempelkissen, dann fest auf das Papier. „Ihre Kennkarte holen Sie dann auf der Passbehörde ab, und denken Sie an die Gebühr!“ Auf dem Heimweg sprachen wir kein Wort. Meine tintenbefleckten Hände versteckte ich in den Manteltaschen.
In einer Demokratie verschafft der Personalausweis einem Menschen eine legale Identität. Mit ihm kann man reisen, wählen gehen, Discotheken betreten, Bürgerrechte und Bürgerpflichten wahrnehmen. Hinweise auf die Religionszugehörigkeit seines Besitzers gibt der Ausweis nicht, denn jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich.
Die „Kennkarten“ im NS-Staat dienten zur deutlichen Abgrenzung der jüdischen Bürger. Ein großes „J“, der nur für Juden erforderliche Fingerabdruck und der gesetzlich festgeschriebene zweite Vorname („Israel“ für Männer, „Sara“ für Frauen) stigmatisierte und grenzte sie aus.




