Ausgangspunkte und Zielsetzung
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Die persönliche Begegnung mit Zeitzeugen der nationalsozialistischen Verbrechen war jahrzehntelang eine sehr wichtige Möglichkeit für Jugendliche, eine persönliche Beziehung zu jenen Ereignissen zu finden und damit auch Leitlinien für ihr eigenes Handeln daraus zu entwickeln. Mittlerweile tritt die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen jedoch in eine neue Phase. Nur noch wenige Augenzeugen sind heute zu solchen Gesprächen in der Lage, so dass wir neue Formen der Erinnerung finden müssen.
„Dass die nicht ins Schwimmbad durften, nur weil sie Juden waren, das habe ich nicht gewusst. Das ist ja total ungerecht!“ Workshopteilnehmer, 8. Hauptschulklasse
Manchmal erschüttern schon vermeintlich kleine Erkenntnisse die bisherigen Sicherheiten im Denken und Fühlen. Die Notwendigkeit, gegen Ungerechtigkeiten aufzubegehren, muss als Erkenntnis oft mühsam erlernt werden. Und bei manch einem wird die Wertschätzung demokratischer Grundregeln erst in der Abgrenzung zu einem erkennbaren Unrechtssystem geboren.
Bei diesem Prozess will die Ausstellung 7 xjung — Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt helfen – besonders Jugendlichen aus sozial schwächeren und somit oft bildungsbenachteiligten Familien. Sie regt alle Sinne an, ist kognitiv niedrigschwellig, inspiriert und berührt durch künstlerische Installationen und betritt pädagogisch neue Pfade.
Was dabei unser Ziel ist? Ein kritischer Blick auf die Gegebenheiten, Empathie für die Mitmenschen, die Wahrnehmung von Handlungsoptionen – diese grundlegenden Fähigkeiten wollen wir entwickeln und stärken. Und zwar anhand der augenfälligen, für Jugendliche nachvollziehbaren Bezugs– und Berührungspunkte zwischen heute und der NS-Zeit.
Natürlich leben wir heute in einer Gesellschaft, die sich von jener der NS-Zeit maßgeblich unterscheidet. Demokratie, Zivilcourage und Respekt vor Anderen sind anerkannte und praktizierte Werte. Antisemitismus, Fremdenhass und rechtsradikale Gewalt sind ein ernst zu nehmendes Problem, aber alles andere als Mehrheitsdenken oder gar Staatsräson.
Selbst in der NS-Zeit gab es in vielen Alltagssituationen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten. Lange bevor der eigentliche Holocaust begann, standen Menschen vor der Wahl, Diskriminierung und Antisemitismus entweder hinzunehmen und zu fördern oder dem Unrecht entgegen zu treten und den Gequälten zu helfen.
Heute haben wir erst recht die Wahl, nicht diskriminierend zu handeln, sondern gegen Ausgrenzung anzugehen. Die Ausstellung will Jugendliche in der Beschäftigung mit Geschichte und Gegenwart darin bestärken, selbstbewusst und lautstark für Menschenrechte einzutreten. Damit sie auch in Zukunft in einer modernen, offenen und sozialen Gesellschaft leben können.
Damit sie erkennen, was Menschsein bedeuten kann.






